„Mystic“

„Alles sehen – nichts begreifen“.
Die Blindheit einer aufs Hypervisuelle fixierten Gesellschaft brachte der wohl
bedeutendste Maler der Gegenwart, Gerhard Richter, so auf den Punkt.
Gemeint ist, dass der Weg vom Sehen zum Begreifen ein sehr steiniger
ist. Richter selbst ging den Weg der für ihn typischen Ästhetik des Diffusen
klar sehend weiter.

Die hier gezeigten 13 Landschaftsfotografien von Frank Buchna –
lupenreine Bildausschnitte des größten öffentlichen Raums
, den
wir überhaupt haben: der Landschaft (LANDSCAPE)  –  konfrontieren den
Sehenden mit individuellen Details allzu bekannt gewähnter Wege, Niederungen,
Anhöhen. Ein simpler Bachlauf, dem Zufall der Verwitterung durch die
Jahrhunderte überlassene Felsformationen, Baumgruppen (fotografiert zu
unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten, aus unterschiedlichen Perspektiven
heraus, in unterschiedlichen digitalen Nachbearbeitungen,), erzeugen bei
Buchna den Schein einer Wirklichkeit, die unseren Träumen
entspringt, der eigentlichen Welt der Empfindungen und des
Erkennens
. So ist es nur konsequent, dass der Fotograf zu Gunsten der
Form die Farbgebung seinen Objekten quasi verwehrt. Der schwarz-weiße,
allenfalls nur farblich angedeutete Traum einer blühenden Landschaft – ein
in reinstem Weiß sprühender Baum im Frühling vor dem
Hintergrund eines zu explodieren drohenden, fast schwarzen
Himmels
– hinterlässt beim Betrachter eine tiefe Wirkungsspur,
authentischer als jedes sklavisch-farbtreue und „natürliche“
Abbild es könnte
. Hier handelt es sich eben nicht um gefällige Jahreszeiten-
Fotografie (Bilder, die uns langweilen, weil sie Klischees reproduzieren,
in denen wir unser genuines Mensch-in-der-Natur-Sein nicht wiederfinden),
sondern um eine künstlerische Auseinandersetzung mit der
Einsamkeit des Einzelnen
(des einzelnen Menschen, aber auch des
einzelnen Baumes, Steines, Weges, jedes noch so kleinen Details im großen
Kontext mit der Welt und dem Platz, den wir in ihr einnehmen).

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