„Les Bells oubliées – Die vergessenen Schönen“

Was wären wir ohne…
… die tief empfundene Nachhaltigkeit visueller Eindrücke?
… ohne die Konturen gebende Genauigkeit ins Auge fallender Details
eines großen Ganzen?

… ohne die blickrichtungsweisenden Signale, die uns unser
untrügliches Auge im Dschungel medial zerstückelter und in penetranter
Reizflut manchmal regelrecht marternder Sinneseindrücke liefert;
… ohne den untrüglichen Orientierungssinn eines AugenPAARES,
denn: zwei sehen mehr als einer.

Was wären wir also ohne unser hochdifferenzierungsfähiges
Sinnesorgan AUGE in der Masse, in einer Welt der Uniformität und
täuschend echten Trugbilder? Ausgeliefert.

Vielleicht – um das schreckliche Gefühl des Ausgeliefertseins zu
umgehen – zögen wir es vor, uns blind zu stellen? Das ist heute Abend
aber ganz und gar nicht nötig. Frank Buchna verführt uns mit seiner
Kunst zum hinsehen…auch hin zu verlassenen, leicht zu
übersehenden Orten …hin zu still gelegten Industrie-Schauplätzen
wie die Dürener „Glashütte“ einer ist, auf deren alten
Fabrikhallenbänken er junge Frauen platziert hat. Eine verstörend
zarte Erotik erblüht in den Mauerresten rauer Wirklichkeit,
Arbeiterwirklichkeit, exakt getakteter Produktionsmechanik… der
verlassene Ort bietet die ideale Szenerie für ein nebulöses
Verwirrspiel, karges Sonnenlicht fällt durch schmutzblinde
Scheiben… diese Frauen müssen frösteln… Les Belles oubliées, die
vergessenen Schönen…verlegen nesteln sie hier an einem Schuh,
dort an ihrem Kleid… lehnen sich schutzsuchend an schmutzige
Wände an… an diesem Ort ist ganz und gar nichts mehr aus Glas!
Schönheit und Ästhetik wirken hier ähnlich deplaziert wie es
Blumen im Geisterdorf wären.

Der flüchtige Moment, in dem der Fotograf zerbrechlicher Schönheit den
ewigen Augenblick bildlicher Fixierung gewährt, kann zwangsläufig nur
ein Augenblick sein, der „lügt“…so schön kann nackte Realität nie und
nimmer sein.

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