REINE SEIDE SEIDENRAUSCHEN PHOTOGRAMME

Das Negativ-Kontakt-Verfahren des Photogramms, das analoge fotografieren ohne Linse und Kamera, zeigt uns  Materie, filigrane Seidenstrukturen und die Körperlichkeit der aufgenommenen Tänzerinnen  in einer entmaterialisierten zweidimensionalen Form. Es ermöglicht dem Betrachter eine ebenso kontrastreiche, weich oder hart konturierende, oder auch Details des Objekts auslassende, Wahrnehmung des Dargestellten, wie auch eigene freie Assoziationen.

Ganz der Lichtdurchlässigkeit des Aufgenommenen gemäß und durch die Führung des Lichts, während der kurzen Zeit der Belichtung, zeichnet das Licht die Konturen in allen Graustufen, Schwarzweiß und Kontrasten auf die lichtempfindliche Schicht des Photopapiers. Der gesamte Aufnahmeprozess sowie die einzelnen Entwicklungsschritte bis hin zum sichtbaren Photogramm, muss in der Dunkelkammer unter Rotlicht erfolgen. Erst ein fertig fixiertes Photogramm kann im Nachhinein nicht mehr durch Licht physikalisch beeinflusst werden. Jedes Photogramm ist somit ein einzigartiges Unikat.

In Deutschland und der Schweiz war es zuerst der Maler Christian Schad, später auch der Dadaist Man Ray, dann auch El Lissitzky, … einige Künstler haben schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit diesem der Photographie verwandten Prinzip der „Umkehrung“ – Umkehrung eines Abdrucks, experimentiert. Nicht-Spuren von Berührung und verwischte Spuren von Bewegung, die der Künstler immer wieder variiert mit der Hinzunahme von Seidenchiffon und ihrem unterschiedlich dosierten und arrangierten Einsatz. Keines seiner Exponate ist

wie das andere, keines ist – so wie man es hier sieht – reproduzierbar.

Frank Buchna